Guild Wars 2 belohnt Spieler für Verzicht auf Reittiere

Guild Wars 2 belohnt Spieler für Verzicht auf Reittiere

In MMORPGs sollen Reittiere eigentlich eine Belohnung sein. Man verdient sie sich, man reitet auf ihnen, und man geht nie wieder irgendwo zu Fuß hin. Guild Wars 2 testet jetzt genau das Gegenteil. Für begrenzte Zeit bezahlt das Spiel die Spieler dafür, dass sie zu Fuß unterwegs bleiben.

Der neueste Patch von ArenaNet bringt ein zeitlich begrenztes Event namens Dismount Rush. Dazu kommen neue Herausforderungsmodi, Balance-Anpassungen und eine lange Liste an Fehlerbehebungen. Die Herausforderungsmodi werden für Endgame-Spieler am wichtigsten sein. Das Reittier-Experiment ist aber der ungewöhnlichere Teil und womöglich auch der aufschlussreichere.

Dismount Rush: Laufen lohnt sich

Die Idee ist einfach. Wer Events im Heart of Maguuma oder in Central Tyria abschließt, ohne ein Reittier zu benutzen, bekommt einen Bonus auf Magiefund und Erfahrung. Das sind zwei der großen Weltregionen des Spiels. Der Bonus ist stapelbar, die Belohnung wächst also, je länger man mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt. Magiefund ist der Wert, der die Chance auf bessere Beute erhöht. Für alle, die in der offenen Welt farmen, dürfte der Bonus also verlockend sein.

ArenaNet macht keinen Hehl daraus, warum es das tut. Laut dem Studio taucht die Nutzung von Reittieren in der Erweiterung Heart of Thorns immer wieder im Spielerfeedback auf. Dieses Feedback hat zugenommen, je näher das erste Hall-of-Monuments-Update Ende dieses Jahres rückt. Dismount Rush wird als "ein Ansatz, um ihre Nutzung zu verringern" beschrieben, und ArenaNet bittet die Spieler, es auszuprobieren und ihre Meinung zu teilen.

Einen festen Zeitplan gibt es noch nicht. ArenaNet hat keine Start- oder Enddaten genannt und sagt lediglich, das Event laufe "für begrenzte Zeit". Wer auf die stapelbaren Boni neugierig ist, sollte also nicht zu lange warten.

Herausforderungsmodi für aktuelle Inhalte

Spieler, denen Schwierigkeit wichtiger ist als Erkundung, werden die Herausforderungsmodi spannender finden. Der Patch bringt schwerere Varianten von drei aktuellen Inhalten:

  • Nexus of Eternity, der Schlachtzug
  • Solitary Throne, ein Fraktal (die instanzierten, dungeonartigen Herausforderungen von Guild Wars 2)
  • Nexus of Eternity Convergence

Herausforderungsmodi geben organisierten Gruppen einen Grund, zu Begegnungen zurückzukehren, die sie bereits geschafft haben. Dass sie für aktuelle Inhalte kommen, passt zu der Art, wie ArenaNet die Lebensdauer seiner Gruppenaktivitäten üblicherweise verlängert.

Fehlerbehebungen und Klassenbalance

Der Rest des Patches ist Pflichtprogramm, und davon gibt es reichlich. ArenaNet führt eine große Menge an Fehlerbehebungen auf, dazu mehrere Balance-Updates für die Professionen des Spiels (so nennt Guild Wars 2 seine Klassen). Die Quelle schlüsselt die einzelnen Änderungen nicht auf. Wer auf einen bestimmten Build angewiesen ist, sollte vor der nächsten Spielsitzung die vollständigen Patchnotes lesen.

Unsere Einschätzung

Spieler zu bitten, auf ihre Reittiere zu verzichten, und sei es für einen Bonus, ist das Eingeständnis, dass an Heart of Thorns in seiner jetzigen Form etwas nicht ganz funktioniert. Die Region wurde um vertikale, labyrinthartige Karten herum gebaut, und man sieht leicht, wie Reittiere dieses Design aushebeln können. ArenaNet formuliert allerdings vorsichtig. Das Studio spricht von "einem Ansatz", was darauf hindeutet, dass es vor dem Hall-of-Monuments-Update mehrere Möglichkeiten testet, statt sich auf eine Lösung festzulegen.

Auch die Methode ist bemerkenswert. Statt Reittiere einzuschränken, belohnt ArenaNet die Spieler dafür, dass sie sich freiwillig gegen sie entscheiden. Das ist eine deutlich sanftere Art, Verhalten zu lenken, und dürfte bei einer Community, die sehr an ihren Reittieren hängt, besser ankommen. Auch andere langlebige MMOs kämpfen mit ähnlichen Altlasten, während sie ihre eigenen Herbstinhalte vorbereiten, vom WoW-Midnight-Patch 12.1.5 bis zu LOTROs Erweiterung Wolves of Mordor. Ältere Gebiete zu überarbeiten, ohne langjährige Spieler zu verärgern, ist ein Problem, das das ganze Genre teilt.

Zwei Dinge lohnt es sich als Nächstes im Blick zu behalten. Erstens, ob die Spieler bei Dismount Rush tatsächlich mitziehen, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist. Zweitens, ob sich Erkenntnisse daraus im Hall-of-Monuments-Update später in diesem Jahr wiederfinden. Fällt das Spielerfeedback positiv aus, könnte ein zeitlich begrenztes Experiment das dauerhafte Design prägen.