Discord-Werbung, Festnahme nach GTA-Hack, Xbox-Dementi
In manchen Wochen bestehen die Branchennews aus dem Multiplayer-Bereich nur aus Patchnotes und Erweiterungsterminen. Diese Woche gehört nicht dazu.
Die aktuellen Schlagzeilen drehen sich um Werbung, eine Festnahme, eine Umstrukturierung im Konzern und ein Dementi vom Xbox-Chef. Nichts davon wird euren Raid-Abend an diesem Wochenende verändern. Alles davon sagt aber etwas darüber aus, wohin sich die Plattformen und Publisher hinter unseren liebsten Onlinespielen bewegen.
Discord will Werbekunden den roten Teppich ausrollen
Discord, die Chat-App, die längst zum Standard-Treffpunkt für Gilden, Clans und Gruppensuchen geworden ist, baut sein Werbegeschäft aus. Schwer, das nicht als Teil eines größeren Vorstoßes zu lesen, der wohl auch die Börsenpläne des Unternehmens stärken soll, also den geplanten Gang an die Börse.
Das Unternehmen hat zwei neue Werkzeuge für Marken vorgestellt. Das erste, Discord Ads Manager, bietet Firmen eine zentrale Stelle, an der sie ihre Anzeigen auf der Plattform schalten und verwalten können. Das zweite, Video Quests Reserve, ist eine Premiumversion der bestehenden Video-Quests-Funktion. Dort werden Nutzer schon jetzt aufgefordert, eine Videoanzeige anzuklicken und 15 Sekunden lang anzuschauen, im Gegenzug gibt es Belohnungen im Spiel.
Der zweite Teil ist der, den Spieler bemerken werden. Einen kurzen Clip anzuschauen, um eine Belohnung freizuschalten, ist auf dem Handy ein bekannter Deal. Dass genau das zum Verkaufsargument für ein Premium-Werbeprodukt wird, und zwar in der App, in der viele von uns ihre Spielrunden organisieren, ist allerdings etwas anderes.
Festnahme im Zusammenhang mit dem GTA-Online-Hack
In den Niederlanden hat die Polizei nach eigenen Angaben in Amsterdam einen Verdächtigen festgenommen, der mit dem Hack der Server hinter GTA Online und Red Dead Online im April in Verbindung stehen soll. Der Angriff wurde der Hackergruppe ShinyHunters zugeschrieben, die erbeuteten Daten wurden als "begrenzt" beschrieben, vor allem Finanzkennzahlen und nichts, was Spieler direkt betraf.
Die festgenommene Person ist kein kleiner Unruhestifter, zumindest laut FBI. Die Behörde behauptet, der Verdächtige sei ein mutmaßlicher Anführer von ShinyHunters und habe dabei geholfen, in 140 Organisationen einzudringen und dabei mindestens 70 Millionen Dollar an Erpressungsgeldern einzustreichen. Das sind weiterhin Vorwürfe, das Ausmaß ist aber so oder so bemerkenswert.
Massive Entertainment bekommt einen größeren Werkzeugkasten
Ubisoft bündelt einige seiner größten Shooter-Marken unter einem Dach. Massive Entertainment, vor allem bekannt für The Division (zu dem neuer DLC in Arbeit ist), ist jetzt auch für Splinter Cell und Ghost Recon zuständig.
Außerdem hat der französische Publisher Massive March of Giants übertragen, das MOBA, das sich noch in Entwicklung befindet und das Amazon Games im vergangenen Jahr abgestoßen hat. In seiner Pressemitteilung schreibt Ubisoft, der Schritt [bündle] "ihre kreative und technologische Expertise, um ihre Zukunft zu gestalten, diese Marken auszubauen und anspruchsvolle Erlebnisse für engagierte Spielergemeinschaften zu schaffen."
Das ist eine Menge für ein einzelnes Studio. Es gibt Ubisofts Taktik-Shootern aber ein gemeinsames Zuhause, was mehr geteilte Technik und eine klarere Richtung für jede Reihe bedeuten könnte.
"Xbox steht nicht zum Verkauf"
Zu guter Letzt hat Xbox-Chefin Asha Sharma offiziell einem Gerücht widersprochen, das schon eine Weile kursiert. Die Theorie lautete: Die Stellenstreichungen, die Zusammenlegung von Studios und die eingestellten Projekte in Microsofts Spielesparte seien die Vorarbeit, um Xbox als eigenes Unternehmen auszugliedern oder gleich ganz zu verkaufen.
"Xbox steht nicht zum Verkauf", sagt Sharma. Sie fügt hinzu: "Wir werden alles Nötige tun, um das Unternehmen erfolgreich aufzustellen, und wir werden uns die richtigen Partnerschaften, das richtige Betriebsmodell und alles ansehen, was dafür nötig ist."
Bei der Kernfrage ist das ein klares Dementi. Die zweite Hälfte der Aussage lässt allerdings reichlich Spielraum für Veränderungen.
Zwischen den Zeilen
Legt man diese Meldungen nebeneinander, zeichnet sich ein Muster ab. Die Unternehmen, die Multiplayer-Spiele hosten, veröffentlichen und betreiben, ziehen die Zügel an, suchen nach neuen Einnahmequellen und organisieren sich rund um ihre stärksten Marken neu.
Discord ist das deutlichste Beispiel. Für viele Spieler ist es nicht einfach eine App, sondern Infrastruktur. Wenn das Anschauen von Werbung für Belohnungen im Spiel einen größeren Stellenwert auf der Plattform bekommt, verändert das, wie viele Communitys ihren täglichen Treffpunkt erleben. Es lohnt sich zu beobachten, ob Video Quests Reserve ein optionales Extra bleibt oder sich irgendwann unausweichlich anfühlt, und wie Spieler reagieren, falls es so kommt.
Die Xbox-Aussage verdient einen genauen Blick. Sharma hat einen Verkauf ausgeschlossen, aber offen über Partnerschaften und ein neues "Betriebsmodell" gesprochen. Das deutet darauf hin, dass weitere Umstrukturierungen durchaus noch auf dem Tisch liegen könnten, selbst wenn die Marke bei Microsoft bleibt. Spieler haben branchenweit bereits erlebt, wie Teams von einem harten Weg nach Entlassungen sprechen, und die Kürzungen hinter diesem Gerücht verschwinden nicht wegen eines einzelnen Zitats.
Massives größere Rolle passt zum selben Konsolidierungstrend. Die große Frage ist, ob March of Giants, ein MOBA, das schon einmal den Besitzer gewechselt hat, neben drei etablierten Shooter-Marken echte Aufmerksamkeit bekommt.
Die Festnahme im GTA-Online-Fall erinnert unterdessen daran, dass Live-Service-Spiele auch große Ziele für Datendiebe sind. Spannend wird, ob weitere Details zu dem Fall ans Licht kommen und ob Publisher mehr dazu sagen, wie sie ihre Server schützen.
