Hearthstone: Journey-Journal startet am 13. Oktober
Eine Frage, die niemand gestellt hat: Wie spielt man eigentlich eine Hearthstone-Erweiterung?
Die meisten von uns würden sagen: Spiel starten, ein paar Packungen öffnen, Deck bauen und ab in die Warteschlange. So läuft das seit Jahren. Blizzard hat darauf jetzt allerdings eine andere Antwort. Ab Dienstag, dem 13. Oktober, bekommt das digitale Kartenspiel eine Journey-Funktion. Dazu gehört ein eigenes Journal, und die Idee dahinter ist, die kompletten Inhalte einer Erweiterung an einem Ort zu bündeln.
Klingt nach einer Menüänderung. Ist aber ein bisschen mehr.
Ein Ort für alles
Blizzard beschreibt die Journey als zentralen Knotenpunkt, der "Story, Journey Quests, Belohnungen, Events und saisonale Erlebnisse in einer einzigen Kampagne zusammenführt, die sich über eine Erweiterung hinweg entfaltet". Anders gesagt: Die Teile von Hearthstone, die bisher in verschiedenen Ecken des Clients lagen, kommen unter ein Dach und werden zu einer Kampagne aneinandergereiht.
Das Journal ist das Gesicht dieses Systems. Während es sich füllt, treffen Spieler auf Figuren, schalten Inhalte frei und verfolgen eine Geschichte, die Blizzard als packender als bisher anpreist. Auch Events schweben künftig nicht mehr für sich allein herum. Sie wandern ins Journal und sind über Lesezeichen erreichbar, sodass die nächste zeitlich begrenzte Aktion direkt neben der laufenden Handlung steht, statt mit ihr um Aufmerksamkeit zu konkurrieren.
So weit jedenfalls die Theorie. Ob sich das Ganze wie eine Geschichte anfühlt oder nur wie eine hübschere To-do-Liste, hängt vom Schreiben und vom Erzähltempo ab, und das wissen wir erst, wenn die Leute es tatsächlich spielen.
Der Weg nach Ny'alotha
Das erste Kapitel heißt The Road to Ny'alotha und ist keine Sache für ein Wochenende. Es soll sich über sieben Wochen erstrecken, mit neuen Story-Inhalten und jeweils frischen Wochenquests, die es unterwegs abzuarbeiten gilt.
Es gibt auch einen handfesten Grund, immer wieder vorbeizuschauen. Jeder Abschnitt des Kapitels spendiert eine Kartenpackung für Reign of the Black Empire, die nächste Erweiterung, die offiziell am 20. Oktober erscheint. Die Journey geht also eine Woche vor der Erweiterung an den Start. Wer früh einsteigt, sammelt schon Packungen für das neue Set, während die Geschichte noch Fahrt aufnimmt.
Dieses Timing ist ganz klar Absicht. Das Journal ist nicht bloß ein Lieferweg für Hintergrundgeschichte. Es ist eine Startbahn für den Launch der Erweiterung und danach ein Grund, noch gut einen Monat lang eingeloggt zu bleiben.
Weniger lose Fäden
Wer bisher zwischen Questlog, Event-Reiter und dem, was der Shop gerade diese Woche bewirbt, hin- und hergesprungen ist, für den hat eine einzige Kampagnenansicht einen offensichtlichen Reiz. Man öffnet eine Sache. Die zeigt einem, was los ist, was man verdient hat und was als Nächstes kommt.
Wer nur auf der Rangliste nach oben klettern will, dürfte von der Journey abgesehen von den kostenlosen Packungen kaum etwas mitbekommen. Nichts in Blizzards Ankündigung deutet darauf hin, dass sich am Kern der Partien etwas ändert. Es geht darum, wie alles rund um diese Partien organisiert und präsentiert wird.
Das große Ganze
Was Blizzard hier macht, sieht stark nach der Richtung aus, die große Teile der Live-Service-Welt eingeschlagen haben: Jeder Inhaltszyklus bekommt einen klar definierten Anfang, einen wöchentlichen Rhythmus und feste Belohnungen, und das Ganze wird in eine Geschichte verpackt, damit es sich wie eine Saison anfühlt statt wie ein Patch. Diese Struktur ist dem Unternehmen nicht fremd. Sein Shooter läuft schon eine Weile mit einem Saisonmodell, jüngstes Beispiel ist die neueste Overwatch-Saison. Dass Blizzard einen ähnlichen Rahmen nun auf ein Kartenspiel überträgt, legt nahe: Hearthstone-Erweiterungen sollen sich weniger wie ein Haufen neuer Karten anfühlen und mehr wie ein Ereignis, das man Woche für Woche miterlebt.
Für unsere Leser ist die praktische Erkenntnis simpel. Wer vorhat, in Reign of the Black Empire reinzuschauen, kann sich ab dem 13. Oktober offenbar ganz bequem ein paar zusätzliche Packungen vor und während des Starts sichern.
Spannend wird, wie das Sieben-Wochen-Tempo ankommt. Wochenquests können zur Gewohnheit werden, sich aber auch schnell wie Hausaufgaben anfühlen, wenn Belohnungen oder Story nicht mithalten. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt, wenn The Road to Ny'alotha abgeschlossen ist. Halten spätere Kapitel die Qualität und bleiben die per Lesezeichen erreichbaren Events lohnenswert, könnte die Journey zum Standardweg werden, eine Hearthstone-Erweiterung zu erleben. Wenn nicht, bleibt sie am Ende vielleicht nur eine schicke Verpackung für das Questlog, das Spieler ohnehin schon hatten.
