WoW Forever Beta: Lagerfeuer werden gebufft und zur Waffe
Niemand hat damit gerechnet, dass ausgerechnet das Lagerfeuer zum Star der Show wird.
In der Beta von World of Warcraft Forever, die diesen Monat läuft, sorgt nicht etwa eine Klasse, ein Gebiet oder ein Bosskampf für den meisten Gesprächsstoff. Sondern ein Haufen brennender Holzscheite. Lagerfeuer haben sich ganz still und leise zum heimlichen Hit der Beta gemausert. Die Spieler kommen immer wieder darauf zu sprechen, wenn es darum geht, warum sich diese Version von Azeroth anders anfühlt.
Aber das hier ist ein MMORPG, und jedes neue System in einem MMORPG wird ausgereizt, auf den Prüfstand gestellt und irgendwann gegen andere Spieler eingesetzt. Lagerfeuer waren da keine Ausnahme. Im Handumdrehen wurde aus einer Funktion, die Menschen zusammenbringen sollte, eine Falle für die Schutzlosesten im Spiel.
Ein warmer Empfang, im wahrsten Sinne des Wortes
Laut einem Bericht von IGN hat ein Spieler eine fiese Verwendung für die Mechanik gefunden. Er stellte ein Lagerfeuer direkt an die Stelle, an der brandneue Charaktere in der Welt erscheinen.
Der Trick funktioniert wegen des Timings. Wenn ein frischer Charakter das Spiel betritt, schaut sich der Spieler gerade die Eröffnungssequenz an. Sein Charakter steht währenddessen bereits in der Welt und kann nicht reagieren. Er steht im Feuer.
Wenn die Sequenz endet und der Spieler endlich die Kontrolle übernimmt, gibt es also nichts mehr zu steuern. Das Erste, was er in World of Warcraft Forever zu sehen bekommt, ist seine eigene verkohlte Leiche neben einem Lagerfeuer. Einen schlechteren ersten Eindruck kann man sich kaum vorstellen - und man kommt kaum umhin, diese pure Gehässigkeit ein wenig zu bewundern.
Das ist Griefing in seiner reinsten Form. Keine Beute, kein Vorteil, keine Belohnung. Nur die Genugtuung, jemandem die erste Minute in einem neuen Spiel zu verderben.
Blizzard macht Lagerfeuer nützlicher
Wie Blizzard verhindern will, dass Leute Neulinge am Startpunkt grillen, hat das Studio noch nicht verraten. Es hat aber bereits einen Patch nachgeschoben, der Lagerfeuer für alle angenehmer macht, die sie wie vorgesehen nutzen.
Wer ein Lagerfeuer nutzt, muss etwa eine Minute herumstehen, um dessen Buff zu erhalten. Vor dem Patch war diese Minute verlorene Zeit. Jetzt können Spieler nebenbei andere Dinge erledigen, während sie am Feuer sitzen. Sie können andere Buffs wirken, Zauber einsetzen und Gegenstände herstellen, während sich der Lagerfeuer-Buff aufbaut.
Eine kleine Änderung, aber eine clevere. Erzwungene Pausen sind nur so lange charmant, bis sie im Weg stehen. Wenn Spieler sich während der Wartezeit vorbereiten, Gegenstände herstellen und sich buffen können, wird das Lagerfeuer von einer Pausentaste zu einem natürlichen Treffpunkt. Und genau darum geht es vermutlich.
Bots raus, zumindest vorerst
Mit derselben Runde an Änderungen wurde auch ein anderes Problem aus der Welt geschafft. Blizzard hat einen Exploit geschlossen, den Tauren-Bots nutzten, um herumzulaufen und hochstufige Kräuter zu farmen.
Bots und Sammelberufe sind in World of Warcraft ein altbekanntes Gespann. Dass das Ganze schon in einer Beta auftaucht, zeigt, wie schnell automatisiertes Farmen seinen Weg in alles findet, was nach Profit aussieht. Dass Blizzard jetzt dagegen vorgeht, noch bevor das Spiel vollständig erschienen ist, ist zumindest ein Zeichen, dass man dort genau hinschaut.
Warum das wichtig ist
Die Lagerfeuer-Geschichte ist witzig, sagt aber auch etwas darüber aus, was World of Warcraft Forever sein will. Eine Funktion, die Spielern einen Grund gibt, innezuhalten, sich hinzusetzen und einen Ort miteinander zu teilen, ist genau das, was eine Online-Welt gesellig statt nur geschäftig wirken lässt. Dass sich die Beta-Community so schnell darauf gestürzt hat, deutet auf einen echten Hunger nach Systemen hin, die das Tempo drosseln und Spieler nebeneinander platzieren. Wer das Projekt verfolgt, etwa mit Blick auf das WoW-Forever-Video zum untoten Paladin, dürfte bemerkt haben, dass dieses soziale Gefüge ein Kernstück des Konzepts zu sein scheint.
Die Kehrseite ist genauso aufschlussreich. Jedes Werkzeug, das den Raum um andere Spieler herum beeinflusst, lässt sich missbrauchen, und der Trick am Startpunkt legt eine Lücke offen, die man leicht übersieht: neue Spieler, die noch gar nicht handeln können. Genau diese Zielgruppe muss ein Spiel wie dieses für sich gewinnen, und eine qualmende Leiche ist kein besonders gutes Verkaufsargument. Es lohnt sich zu beobachten, ob Blizzard einschränkt, wo Lagerfeuer platziert werden dürfen, Charaktere während der Eröffnungssequenz schützt oder das Problem auf andere Weise angeht.
Die Patchnotes weisen in eine ermutigende Richtung. Blizzard hat sich entschieden, Lagerfeuer flexibler zu machen, statt sie zurückzufahren - ein Hinweis darauf, dass das Studio die Funktion für erhaltenswert hält und darauf aufbauen will. Zusammen mit der schnellen Reaktion auf die Kräuter-Bots spricht das dafür, dass die Beta ihren Zweck erfüllt: Sie bringt vor dem Start sowohl die besten als auch die schlimmsten Arten ans Licht, wie Spieler ein System nutzen werden. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt, wenn deutlich mehr Spieler eintreffen - und mit ihnen deutlich kreativere Griefer.
