WoW Forever: Video stellt den Untoten-Paladin in den Fokus
Blizzard hat in World of Warcraft Forever jede Menge neues Spielzeug zu zeigen. Sechs Stück, um genau zu sein. Wer sich aber das neueste Werbevideo zum Spiel ansieht, könnte glatt meinen, nur eines davon sei wirklich wichtig: der Untote Paladin.
Das soll keine Kritik an den anderen fünf sein. Dorthin wandert eben die Aufmerksamkeit. Die "Classic Plus"-Version von World of Warcraft Forever bekommt sechs neue Kombinationen aus Klasse und Volk, und das Studio hat seinen Star ganz klar gewählt. Der Untote Paladin bekommt die lange, sorgfältige Vorstellung. Alle anderen bekommen im Vorbeigehen ein kurzes Winken.
Warum die Forsaken eine Erklärung brauchen
Fairerweise gibt es für das Ungleichgewicht einen guten Grund. Ein Paladin passt nicht so recht zu den Forsaken, und Blizzard weiß, dass die Fans die naheliegende Frage stellen werden. Wie landet ein untoter Charakter in einer Klasse, die so eng mit dem Licht verbunden ist?
Blizzards Antwort ist kurz und knackig. Für die Forsaken geht es beim Paladin um Vergeltung, nicht um das Licht. Das ist geschickt formuliert und gibt der Kombination ihre eigene Identität. Diese Charaktere sind keine heiligen Krieger im klassischen Sinn. Sie kämpfen für etwas Dunkleres und Persönlicheres.
Vorbereitet wurde die Klasse auch außerhalb des MMORPGs selbst. Die Hintergrundgeschichte des Untoten Paladins liefert Warcraft III: Forsaken Kingdom, ein DLC, der im vergangenen Monat erschienen ist. Das Video baut das Konzept also nicht aus dem Nichts auf. Es erntet, was Blizzard bereits gesät hatte, und das erklärt zum Teil, warum das Studio bereit war, so viel Laufzeit auf eine einzige Kombination zu verwenden.
Die anderen fünf
Sobald die Erklärung zu den Forsaken abgehakt ist, zieht das Tempo an. Die übrigen neuen Kombinationen sind:
- Zwergen-Schamane
- Orc-Magier
- Menschen-Jäger
- Troll-Hexenmeister
- Gnom-Priester
Keine davon bekommt eine ausführliche Vorstellung. Sie werden schnell nacheinander präsentiert, dann geht das Video weiter. Manche Spieler werden damit völlig zufrieden sein. Andere haben vielleicht gezielt auf eine dieser fünf gewartet und könnten sich angesichts der kurzen Auftritte ein wenig übergangen fühlen.
Trotzdem ist die Liste für sich genommen interessant. Auf dem Papier ist keine dieser Paarungen eine wilde Neuerfindung. Jede ist aber eine neue Option, die Spieler dieser Version bisher nicht hatten, und das allein ist schon ein Grund, einen neuen Charakter anzulegen.
Ein Mega-Dungeon als Ausblick
Die Klassen-Neuigkeiten waren nicht das einzige Thema. Leitender Entwickler Josh Greenfield ließ auch einen Hinweis auf Inhalte fallen, die künftig nach World of Warcraft Forever kommen könnten. Er deutete "einen guten [Blackrock Depths]-artigen Mega-Dungeon" an, der möglicherweise in Arbeit ist.
Dieser Vergleich sagt eine Menge. Blackrock Depths ist der Maßstab, den Greenfield gewählt hat, und das zeigt, dass das Team beim Dungeon-Design groß denkt und nicht klein. Bei Worten blieb es auch nicht. Zu seinem Kommentar teilte er ein Bild von einem Höhleneingang im Bären-Look, neben dem ein Versammlungsstein steht.
Mehr gibt es vorerst nicht. Kein Name, kein Datum, keine Bestätigung, dass er definitiv kommt. Nur ein Bild, ein Vergleich und eine Formulierung, nach der er unterwegs sein "könnte". Für eine Community, die gern jeden Screenshot bis ins Kleinste zerlegt, reicht das aber mehr als aus, um für Gesprächsstoff zu sorgen.
Was unterm Strich bleibt
Zusammengenommen vermitteln das Video und der Ausblick ein klareres Bild davon, was Blizzard aus World of Warcraft Forever machen will. Die neuen Kombinationen sind der unmittelbare Köder. Der Mega-Dungeon wäre, falls er kommt, der längerfristige Grund, dabeizubleiben.
Unsere Einschätzung
Die Art, wie Blizzard mit dem Untoten Paladin umgeht, deutet darauf hin, dass das Studio World of Warcraft Forever als mehr als einen Nostalgietrip sieht. Eine neue Klassenkombination an einen Warcraft-III-DLC zu koppeln, ist ein Schachzug der gegenseitigen Vermarktung, und er lässt eine breitere Strategie erkennen: Blizzards ältere Spiele miteinander zu verknüpfen, statt jedes als eigene Insel zu behandeln. Das passt dazu, wie der Konzern auch andere langlebige Titel am Leben hält, von den fortlaufenden Seasons in Diablo 4 bis zu frischen Inhalten für Heroes of the Storm.
Für Spieler ist die eigentliche Frage die Ausgewogenheit. Es lohnt sich zu beobachten, ob die anderen fünf Kombinationen im Spiel dieselbe Sorgfalt erfahren wie der Untote Paladin im Trailer, oder ob sie sich am Ende wie Beiwerk anfühlen. Die größere Unbekannte ist der Mega-Dungeon. Greenfields Andeutung ist vielversprechend, bleibt aber eine Andeutung. Bis Blizzard ihm einen Namen oder ein Datum gibt, sollte man die Bärenhöhle eher als hoffnungsvolles Zeichen denn als Versprechen betrachten.
