LOTROs Nachbarsystem ist charmant, aber unausgegoren
Lord of the Rings Online wird bald deutlich nachbarschaftlicher. Das Problem: Niemand scheint so recht zu wissen, wie man ein guter Nachbar ist.
Der LOTRO-Legendarium-Kolumnist von Massively OP hat sich das neue Nachbarsystem angesehen, das mit der Erweiterung Wolves of Mordor kommt. Sein Urteil fällt gemischt aus. Die Figuren sind charmant, die Missionen machen Spaß, und das System ist ehrgeizig. Es ist aber auch verwirrend, schlecht erklärt und, wie er es formuliert, ein "unausgegorener erster Wurf".
Ein früher Start
Die erste Überraschung ist der Zeitpunkt. Standing Stone Games (SSG) veröffentlicht Wolves of Mordor noch in diesem Monat, obwohl die Entwickler-Vorschauen noch laufen und die Gebiete erst seit wenigen Wochen getestet werden. Der Kolumnist hatte mit einem Start Anfang Dezember gerechnet und nennt den Zeitplan "sehr verfrüht". Er sieht zwei mögliche Gründe: dem vollen Veröffentlichungskalender im November auszuweichen und die Preiserhöhung für mehrmonatige Abos, die gerade umgesetzt wird.
Wer nebenan einzieht
Wie viele Nachbarn man bekommt, hängt davon ab, was man kauft. Die Standard-Edition enthält zwei, die Sammleredition drei und das Ultimate-Fan-Paket alle vier. Wer eines der kleineren Pakete kauft, darf sich aussuchen, welche er haben möchte. SSG hat außerdem angekündigt, die übrigen Nachbarn im nächsten Jahr einzeln gegen LOTRO-Punkte zu verkaufen, die Premiumwährung des Spiels.
Die vier sind:
- Brutha, ein Zwerg, der lieber mit Holz als mit Stein arbeitet
- Emmathron, ein Elbenkünstler auf der Suche nach Inspiration
- Haldo, ein Hobbit, der zum ersten Mal das Auenland verlässt
- Golwen, ein Seefahrer aus Gondor, der möglicherweise gestrandet ist
Der Kolumnist fand jede Figur von Anfang an eigenständig. Dürfte er nur zwei behalten, würde er sich für Haldo und Brutha entscheiden.
Die Einrichtung ist einfach. Man stellt das Banner eines Nachbarn an seinem Haus auf, klickt darauf, und eine kurze Story-Instanz beginnt. Ein merkwürdiger Moment: Danach setzt einen das Spiel irgendwo anders in der Welt ab, ohne weiteren Hinweis, sodass man mit einer Kartenfertigkeit selbst den Weg nach Hause finden muss.
Zurück am Haus kann man seinen Nachbarn herbeirufen, um mit ihm zu plaudern, um ein Geschenk zu bitten, ihm eines zu machen oder ein neues Nachbarfenster zu öffnen. Dieses Fenster zeigt das Verhältnis zu jeder Figur an, lässt einen ihre Outfits wechseln, sobald man mehr davon hat, und listet ihre Vorlieben, Abneigungen und ein paar zufällig erzeugte Details auf. Alle Spieler haben Zugriff auf dieselben vier Figuren, doch jede bringt andere Eigenschaften mit. Diese Eigenschaften prägen sowohl ihre Persönlichkeit als auch die Geschenke, die sie verteilen.
Tagesquests, Tagebücher und Rätselraten
Sind die Vorstellungsrunden vorbei, pendelt sich das System in eine bekannte MMO-Routine ein: tägliche Quests. Man holt sich ein paar davon am Gemeinschaftsbrett ab und reist quer durch die Welt, um sie zu erledigen. Für vier davon, inklusive Reisezeit und einiger Missionsinstanzen, brauchte der Kolumnist etwa 25 Minuten. Die Missionen selbst bekommen einen Daumen nach oben. Die Reisezeit dazwischen nicht.
Jede Quest belohnt einen mit einem Tagebuch, das man einem Nachbarn schenken kann. Wählt man das richtige Tagebuch für den richtigen Nachbarn, steigt das Ansehen. Wählt man das falsche, sinkt es. Am Anfang, wenn man über die Vorlieben der Figuren so gut wie nichts weiß, ist das reines Rätselraten. Der Kolumnist hat das Gefühl, Tagebücher an Haldo verschwendet zu haben, der zwei davon schrecklich fand.
Dann kommen die Fragen. Wofür sind Geschenkgutscheine da? Was hat es mit den Stimmungen auf sich? Wie wichtig sind die Quests vom schwarzen Brett? Lassen Gegner draußen in der Welt wirklich Geschenke fallen? Sollte man sich auf einen Nachbarn konzentrieren? Kommen sie jemals zu Besuch, ohne gerufen zu werden?
Die Antworten musste er sich aus einem Wiki holen. Die Geschenkemacher entpuppen sich als NPCs in den vier großen Startstädten, die Nachbar-Outfits und Geschenke gegen Geschenkgutscheine verkaufen. Der Kolumnist kaufte Pfeifenkraut und jede Menge Essen für Haldo. Der schien sich darüber zu freuen, doch seine Freundschaftsleiste blieb bei der Stufe "Bekannter" stehen und rührte sich nicht mehr. Jedes weitere Geschenk war danach offenbar verschwendet.
Ein bekanntes SSG-Problem
Der Kolumnist sieht darin ein Muster bei SSG: ein Feature, das etwas zu kompliziert ist, nicht intuitiv funktioniert und keine klaren Anleitungen bietet. Für die Entwickler, die es gebaut haben, ergibt es Sinn, alle anderen bleiben ratlos zurück. Der offizielle Forenthread bestätigt das mit einem stetigen Strom von Spielerfragen. Wenn Entwickler mehrere Erklärungen nachschieben müssen, so die Kolumne, braucht das System eine bessere Dokumentation und wohl auch eine Vereinfachung im Spiel selbst.
Nichts davon bedeutet, dass das Feature schlecht ist. Es bringt neue Aktivitäten, eine sich entfaltende Geschichte für jede Figur, Gründe, ältere Gebiete wieder zu besuchen, und ordentliche Belohnungen, darunter zusätzliche Beute von Kreaturen in der Welt. Fans von Lebenssimulationen könnten es lieben, sobald es richtig abgestimmt ist. Aber erraten zu müssen, was ein launischer virtueller Freund will, ist, wie es in der Kolumne heißt, einfach nervig.
Unsere Einschätzung
Das Nachbarsystem zeigt, wie LOTRO nach einem Publikum greift, um das MMOs zunehmend werben: Spieler, die sich für Routine, Beziehungen und gemütlichen Fortschritt einloggen statt für Raids. Für ein Spiel dieses Alters ist das eine vernünftige Wette, und die Ausarbeitung der Figuren scheint die größte Stärke zu sein.
Die Bedenken betreffen die Umsetzung. Ein Feature, das Spieler schon am ersten Tag in Wikis treibt, ist ein Warnsignal, und der beschleunigte Zeitplan der Erweiterung lässt vermuten, dass bis zum Start kaum Zeit bleibt, das zu beheben. Erwähnenswert ist auch, dass das System auf verschiedene Editionen aufgeteilt ist und zusätzliche Nachbarn im nächsten Jahr separat verkauft werden. Mitten in einer Abo-Preiserhöhung könnte das die Geduld der Spieler auf die Probe stellen.
Worauf man achten sollte: ob SSG in frühen Patches klarere Erklärungen im Spiel nachliefert oder den Freundschaftsfortschritt anpasst, und wie sich andere Systeme der Erweiterung wie die neue Überlebensinstinkt-Mechanik unter demselben gehetzten Zeitplan schlagen. Hört das Studio auf seine Foren, könnte daraus eines der markanteren Features von LOTRO werden. Wenn nicht, endet es womöglich als weitere tägliche Pflichtübung.
