Generative KI: Capcoms REX, Bungie-Mitgründer, Jagex-Ärger

Generative KI: Capcoms REX, Bungie-Mitgründer, Jagex-Ärger

Die generative KI lässt die Spielebranche einfach nicht in Ruhe.

Schaut man sich die Branchennachrichten dieser Woche aus der MMO-Welt und ihrem Umfeld an, drehen sich zwei der drei größten Meldungen in irgendeiner Form um generative KI. Die dritte ist, passend genug, ein Comic über Menschen, die sich gegen einen Roboteraufstand wehren. Ob man das ironisch oder einfach nur ermüdend findet, hängt wohl davon ab, an wie vielen KI-Schlagzeilen man in diesem Jahr schon vorbeigescrollt ist.

Das ist passiert.

Capcom will eine "KI-Generation-Spiele-Engine"

Capcom hat vor Kurzem eine Technikkonferenz abgehalten, und die wichtigste Ankündigung hatte es in sich. Der Publisher will seine hauseigene RE Engine zu einer, wie er es nennt, "KI-Generation-Spiele-Engine" umbauen. Das Projekt trägt den Codenamen REX, und Capcom hat einen Plan in mehreren Schritten vorgestellt, wie es dorthin kommen will.

Das Ziel ist laut Capcom, mit generativer KI die Entwicklung reibungsloser zu machen, die Qualitätssicherung zu beschleunigen und die Leistung zu verbessern. Das sind genau die Aufgaben, die Studios gern als unspektakuläre Arbeit hinter den Kulissen beschreiben, und genau die Bereiche, auf die Unternehmen meist verweisen, wenn der Einsatz von KI harmlos klingen soll.

Ein kleiner Trost bleibt. Nach dem, was Capcom gezeigt hat, scheint REX nicht darauf ausgelegt zu sein, Grafiken und Spielinhalte zu erzeugen. Allerdings mit einem Haken. Capcom hat bereits gezeigt, dass es kein Problem damit hat, wenn Nvidia generative KI auf die Optik eines seiner jüngsten Resident-Evil-Spiele anwendet, was dem Unternehmen reichlich Spott von Spielern einbrachte. Solange REX also nicht tatsächlich im Einsatz ist und man sieht, was dabei herauskommt, ist ein Versprechen darüber, wo die KI aufhört, nur begrenzt etwas wert.

Ein Bungie-Mitgründer fängt neu an, mit einem Comic

Jason Jones ist ein Name mit echtem Gewicht in der Geschichte der Shooter. Er hat Bungie mitgegründet und sowohl Halo als auch Destiny mitgeprägt. Sein nächster Schritt ist allerdings kein Spiel. Zumindest noch nicht.

Jones hat ein neues Studio namens Stone Kite gegründet, das Projekte in mehreren Unterhaltungsmedien umsetzen will. Die erste Veröffentlichung ist ein Comic mit dem Titel One Zero One, eine auf vier Ausgaben angelegte Miniserie, die Jones selbst geschrieben hat. Die Geschichte handelt von Menschen, die sich einem Aufstand von KI-Robotern stellen. Angesichts der übrigen Nachrichten dieser Woche ist das Timing kaum zu übersehen.

Geschäftsführerin von Stone Kite ist Margaret Stohl, ebenfalls eine Bungie-Veteranin, die unter anderem Bücher, Spiele und Marvel-Comics geschrieben hat. Sie beschreibt den Ansatz des Studios als Versuch, "die besten Kreativen aus aller Welt und aus unterschiedlichen Disziplinen vom ersten Tag an in einen Raum zu holen, um die Welt gemeinsam zu gestalten".

Das unterscheidet sich deutlich von der üblichen Ankündigung eines neuen Studios, die meist mit einem Genre, einer Engine und einem vagen Erscheinungszeitraum aufmacht. Stone Kite stellt eine Welt und eine Geschichte in den Vordergrund und lässt das Medium offen.

Jagex zieht RuneScape-Trailer wegen generativer KI zurück

Die unschönste Geschichte der Woche kommt von Jagex. Ein RuneScape-Trailer, der während des RuneFest 2026 gezeigt wurde, hielt nicht lange, bevor Spieler ihn auseinandernahmen. Fans des MMORPGs entdeckten aus ihrer Sicht eindeutige Hinweise auf generative KI, darunter eine Hand mit sechs Fingern und einen Ritter, der offenbar ein Paar Air Jordans trug.

Die Reaktion der Community fiel lautstark aus, und Jagex meldete sich mit einer Stellungnahme. Nach Angaben des Studios wurde der Trailer "von einem vertrauenswürdigen externen Partner produziert, der ausdrücklich bestätigt hatte, dass keine generative KI verwendet wird". Das Video wurde inzwischen entfernt, während Jagex untersucht, was passiert ist.

Diese Erklärung schiebt die Verantwortung auf einen externen Dienstleister, ist damit aber noch nicht ganz vom Tisch. Die Untersuchung von Jagex läuft noch, und die Spieler werden wissen wollen, was dabei herauskommt.

Das große Ganze

Legt man diese drei Geschichten nebeneinander, ergibt sich ein recht klares Bild davon, wo die Branche beim Thema generative KI gerade steht. Capcom setzt offen darauf und baut sie in das Fundament seiner Werkzeuge ein. Jagex wollte sie offenbar überhaupt nicht und hatte sie trotzdem in einem öffentlichen Trailer. Und einer der angesehensten Köpfe im Multiplayer-Bereich startet sein neues Vorhaben mit einer Geschichte über KI, die sich gegen die Menschheit wendet.

Für MMO-Spieler trifft der Fall Jagex am ehesten ins Mark. RuneScape-Fans haben es eindeutig bemerkt und schnell reagiert. Das deutet darauf hin, dass die Communitys rund um langlebige Onlinespiele bei so etwas genau hinschauen und bereit sind, es öffentlich anzuprangern. Es zeigt außerdem, dass die eigenen Richtlinien eines Studios nur begrenzt etwas nützen, wenn externe Partner sich nicht daran halten.

Auch Capcoms REX verdient Aufmerksamkeit. Wird KI, die für Qualitätssicherung und Optimierung direkt in Engines steckt, zum Standard, könnte die Grenze zwischen "Werkzeugen" und "Inhalten" für Spieler schwerer zu erkennen sein. Es lohnt sich zu beobachten, ob Capcom REX tatsächlich aus dem Grafikbereich heraushält, wie es die Präsentation nahelegt, und was die Untersuchung von Jagex zutage fördert. Was Stone Kite angeht, ist ein Comic ein bescheidener erster Schritt. Ob daraus später ein Spiel wird, ist offen.